Berührendes Zeugnis eines Rückkehrers

Reiseblog von Gabi Gmeindl vom Welthaus Graz

Ein Ofen aus lokalem Material statt einer offenen Feuerstelle spart viel Holz.

 

„Trostlos war das Leben für mich hier in meinem Dorf Djilors im Sine-Saloum-Delta“ erzählt mir Latir Faye. „Wir leben von der Landwirtschaft, Erdnuss-, Reis- und Hirseanbau“. Alles noch in Handarbeit, die Männer gehen hinter einem Ochsenkarren mit ihrem Pflug, täglich ist die ganze Familie auf den Feldern, harkt und jätet, geerntet wird mit kleinen Sicheln. Und die Ernte reichte nie aus, um die kleine Familie übers ganze Jahr zu bringen. Für Aussaat und für die Miete des Ochsenkarrens musste im Folgejahr immer ein Kredit aufgenommen werden. „Immer wieder fiel die Ernte aus, weil es zu wenig regnete, wir blieben auf unseren Schulden sitzen und verarmten immer mehr“ beklagt Mére Biguée, Latirs Mutter.

 

So beschloss Latir sein Glück in der weiten Welt zu suchen. Vorerst landete er in der Hauptstadt Dakar, sowie Abertausende andere  junge Senegalesen. In der Hoffnung  soviel zu verdienen, um für sich und seine kleine Familie ein stabileres Leben aufzubauen, von dort Geld in sein Dorf zu schicken. In Dakar hatte er mehr Glück als viele andere. Ein Sicherheitsdienst stellte Latir an, er bekam ein Gehalt von Hundert Euro im Monat. „Aber die Miete in Dakar ist so  hoch, dass ich die Hälfte meines Gehaltes dafür ausgegeben habe und das für mein winziges Zimmer. Oft konnte ich mich nicht satt essen, nach Hause fahren ins Dorf konnte ich auch zu den großen Festtagen nicht, da ich kein Geld für den Bus hatte.“

 

Im Dorf waren seine Mutter Biguée mit ihrem kranken Ehemann, die junge Ehefrau von Latyr und das Baby zurückgeblieben. „Unsere körperlichen Kräfte reichen nicht aus, um die  Felder zu pflügen, das erhoffte Geld blieb auch aus“, berichten die beiden Frauen. „Wir waren müde, verzweifelt und zornig. Überzeugt davon, dass sich Latir in der Hauptstadt ein schönes Leben macht und uns hier zu Hause vergisst.“

 

Vor drei Jahren ist ein Projekt mit Hilfe von finanzieller Unterstützung aus Österreich und Liechtenstein ins Dorf gekommen. Gemeinsam mit der Dorfbevölkerung wurden Pläne zur Verbesserung der Lebenssituationausgearbeitet. Umweltkomitées wurden organisiert, sie sind für die Aufforstung der Region zuständig. Kochöfen aus Lehm, Kuhdung, Hirsespreu und Muscheln, Material das es vor Ort gibt, werden in den Haushalten aufgestellt. „Mit zwei Stück Feuerholz koche ich jetnser Mittagessen. Die vorher üblichen offenen Feuerstellen haben  dafür ein ganzes Holzbündel verschlungen“ lacht Mère Biguée. Mit einem Traktor wurde ein großes Stück Land von meterhohen Dornen und Disteln befreit, durch einen Zaun vor den Viehherden geschützt, Brunnen wurden angelegt. Zahlreiche Schulungen im Gartenbau für die Dorfbewohner folgten. Das Projekt stellte im ersten Jahr Samen für Tomaten, Auberginen, Zwiebeln, Paprika, Karotten und Salat zur Verfügung.

 

„Als ich davon hörte, habe ich beschlossen wieder heim in mein Dorf zu gehen“ sagt Latir Faye. Stolz zeigt er mir sein großes Auberginenbeet, daneben gedeihen Zwiebeln und seine Frau sät gerade Tomaten aus. „In der letzten Saison habe ich zwei Tonnen Zwiebeln verkauft, jetzt nehmen wir allein durch den Verkauf der Auberginen in der Woche 50 Euro ein. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie zufrieden und glücklich ich bin, hier in meinem Dorf, im Kreis meiner Familie“. Mutter und Sohn umarmen mich mitten im Auberginenfeld. Ich bin berührt und verspreche, zu Hause von der Dankbarkeit aus dem Dorf Djilor über die Solidarität der steirischen KirchenbeitragszahlerInnen, der österreichischen und liechtensteinischen SteuerzahlerInnen zu berichten.

 

Gabi Gmeindl (Welthaus Graz), Jasmin Thomas (HORIZONT3000) und Heinz Dünser (LED) besuchten im November 2016 das Senegal Programm der LED-Partnerorganisation HORIZONT3000 zur Verbesserung der Ernährungssicherheit und des Einkommens der Landbevölkerung in den Regionen Kaolack, Thiès, Fatick, Kaffrine und Tambacounda.

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